Dennis Sulzmann http://www.dennis-sulzmann.de Journalist. Autor. Blog. Sat, 20 Dec 2014 21:47:26 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.0.1 Pegida: Was muss die Politik jetzt tun?http://www.dennis-sulzmann.de/2014/12/pegida-politik/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/12/pegida-politik/#respond Thu, 18 Dec 2014 23:30:37 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5862 Immer mehr Menschen demonstrieren gegen die angebliche Islamisierung. Politiker appellieren, warnen, zeigen sich ratlos oder gehen verbal auf die Demonstranten los. Wie sollten sie auf Pegida reagieren? Das sagen Politikexperten.

Martin Fuchs, Politikberater und Blogger

© Martin Fuchs

© Martin Fuchs

„Pegida nutzt vor allem Social Media für die Mobilisierung. Das muss sie auch, weil sie keine eigene Infrastruktur besitzt. Wenn die Politik die Proteste einfangen will, sollte sie dort sein, wo sich viele der Demonstranten bewegen – im Netz. Sie muss die Argumente ernst nehmen und darf eben nicht mit der Nazi-Keule alle Pegida-Teilnehmer über einen Kamm scheren. Das schweißt die Demonstranten nur noch stärker zusammen und macht sie immun gegen Argumente und Kommunikation von öffentlichen Stellen. Meines Erachtens sollten jetzt möglichst parteiübergreifend viele demokratische Akteure mit aktivierbaren Communities – Politiker, Parteien, NGOs – über ihre Kanäle gegensteuern. Das kann nicht nur durch einen Regierungsaccount erfolgen. Eine zentrale Pegida-Watch-Seite (die es ja schon gibt) reicht aus als “Watchdog”. Neue Kommunikationskanäle wie Anti-Pegida-Seiten bringen aktuell nichts, weil es diesen an der Community und Reichweite fehlt. Die Inhalte sollten möglichst sachlich die Vorwürfe und Argumente von der Straße entkräften und zeigen, was an dem Gefühl, das offenbar besteht, falsch ist. Man muss auch den Mehrwert von Flüchtlingen und Zuwanderern aufzeigen. Bisher reagieren alle politischen Akteure aufgeschreckt und panisch. Dies ist nie die beste Basis für Gegenaufklärung.“

Daniel Dettling, Politikberater und Buchautor

© Daniel Dettling

© Daniel Dettling

„Die richtige Reaktion auf diese Demonstrationen ist Dialog, es darf nicht um Belehrungen gehen. Die Bundeskanzlerin lässt ohnehin „Bürgerdialoge“ organisieren. Diese sollte vor dem Hintergrund der Pegida-Proteste jetzt ganz bewusst auch in Dresden abgehalten werden. Dazu sollte die Bundesregierung Vertreter dieser Bewegung einladen, um über Ängste und Vorbehalte zu sprechen. Ingesamt brauchen wir auch einen neuen Dialog zwischen Mehrheitsgesellschaft und Muslimen, der werteorientiert geführt werden muss. Die bisherigen und aktuellen „Aktionspläne Integration“ vermeiden die Begriffe Werte und Religion. Sie atmen den Geist von Bürokratie und Biedermeier und nicht von Zugehörigkeit und Gemeinsinn. Wir brauchen einen Neo-Patriotismus. In einer bunten Bürgergesellschaft gilt es, auch Migranten für Vereine, Stiftungen und Initiativen zu gewinnen. Es sollte einen Tag der Deutschen Einheit für alle geben – der 23. Mai, der Tag des Grundgesetzes, wird zum gemeinsamen nationalen Feier- und Einbürgerungstag. Wir müssen die Isolation aufbrechen. Wir brauchen einen Mix aus negativen und positiven Anreizen. Integration lohnt sich für beide Seiten. Wir müssen klarmachen: Das neue deutsche Wir ist die Einheit der Verschiedenen.“

Wolfgang Donsbach, Kommunikationswissenschaftler

© Wolfgang Donsbach

© Wolfgang Donsbach

„Man sollte überlegen, woher diese Proteste und die quantitativ weit darüber hinaus reichenden Einstellungen und Gefühle vieler Menschen in Deutschland kommen. Da gibt die Politik vor allem – aber nicht nur – in Talkshows derzeit ein klägliches Bild ab. Einerseits will man die eigenen Anhänger, die genauso denken, nicht verschrecken, andererseits sieht man sich bemüßigt, die politisch korrekten Aussagen, die vor allem die Medien erwarten, zu bedienen.  Das geht allen Parteien so, denn die zum Teil nachvollziehbaren Ängste und die oft kruden Stereotype finden sich zu fast gleichen Teilen bei allen Parteien. Wir brauchen eine große Koalition für eine offene Debattenkultur, statt das übliche Geschäft, aus Konfliktthemen zu allererst parteipolitisches Kapital schlagen zu wollen. Nur dann hat man meiner Ansicht nach eine Chance, die vielen Bürger, die sich jetzt mit ihren Sorgen verlassen fühlen, wieder einzubinden.“

Heiko Kretschmer, Strategieberater

© Heiko Kretschmer

© Heiko Kretschmer

„Ich halte drei Dinge für relevant. Erstens müssen politische Verantwortungsträger lernen, mit ihren Bürgern und Anwohnern frühzeitig in den Dialog über mögliche Flüchtlingsunterbringungen zu treten. Es mag zwar kurzfristig einfacher erscheinen, überfallartig Einrichtungen aufzumachen, bevor sich Widerstand artikulieren kann. Mittelfristig heizt es den Konflikt aber an. Darum muss vor Ort ein Dialog darüber stattfinden, wie und gegebenenfalls auch wo genau die Unterbringung stattfinden kann, insbesondere aber auch, wie ein aktives Willkommen der Flüchtlinge aussehen kann. Die Politik muss dabei deutlich sagen, dass es nicht darum geht, ob der Staat Menschen zurückweisen sollte und die Kommune ihren Pflichten der Unterbringung nicht nachkommen darf. Vielmehr beschäftigt sich ein solcher Dialog mit der Art der Umsetzung dieser Vorgaben. Das hilft, Ängste zu nehmen und Akzeptanz zu schaffen – nicht bei jedem, aber in der Breite der Bevölkerung. Zweitens muss dort, wo Pegida und ihre Ableger eine komplette gesellschaftliche Randerscheinung sind, die Ächtung Kern der Kommunikation bleiben. Da bedeutet die politische Einordnung von Pegida am rechten Rand und die Demaskierung der handelnden Personen. Außerdem ist die Unterstützung von Gegendemonstrationen, die deutlich machen, dass die politische Mitte der Gesellschaft Pegida ablehnt, hilfreich. Drittens: Schwierig ist der Umgang mit Pegida dort, wo die Bewegung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und ein Massenphänomen darstellt. Hier führt Ausgrenzung kommunikativ nicht weiter: Man bestätigt die Gegner in ihrer Haltung, erreicht aber diejenigen, die sich angezogen fühlen, nicht mehr. Hier muss eine Einladung zum Dialog erfolgen, die klare Spielregeln definiert, die Organisatoren und rechte Gruppen ausschließt und mit dem Rest in einen ernst gemeinten Austausch eintritt.“

Links zu den Experten

Übersicht über die Social-Media-Aktivitäten von Pegida und ihrer 17 deutschen Ableger auf Pluragraph.de

Buch von Daniel Dettling Wie wollen wir in Zukunft leben?

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Lassen Sie mich durch, ich bin Blogger!http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/presseausweis-blogger/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/presseausweis-blogger/#comments Fri, 28 Nov 2014 00:13:27 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5698 „Journalist“ kann sich jeder nennen. Es ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Wer beweisen soll, dass er tatsächlich Journalist ist, zieht den Presseausweis. Er ist die harte Währung in der Berichterstattung. Man gilt offiziell als Journalist, wenn man den offiziellen Presseausweis des DJV oder eines assoziierten Fachverbands hat. Die Ausweise für 2015 werden jetzt ausgestellt.

Auch für Blogger ist der Ausweis spannend.

Der Presseausweis öffnet Türen. Veranstaltungen erfordern in aller Regel eine Akkreditierung. Blogger und freie Journalisten können den Prozess mit dem Ausweis erheblich beschleunigen. Auch Messen und die Aussteller dort, Museen oder Ausstellungen verlangen die Vorlage eines Presseausweises. Manchmal reicht es schon, das Kärtchen an der Kasse vorzuzeigen. Das ist jetzt ganz ausdrücklich kein Tipp, um sich irgendwo reinzuschmarotzen. Es geht um kostenlosen Zugang zu Dingen, über die man schreiben möchte.

Blogger, die „in the wild“ berichten, zum Beispiel lokaljournalistisch, können sich mit dem Presseausweis gegenüber Polizei und anderen Behörden ausweisen. Sie können verlangen, bei Demonstrationen durchgelassen oder bei Einsätzen zumindest nicht weggeschickt zu werden. Der Ausweis bestätigt, dass der Inhaber professioneller Journalist ist und nicht demonstrieren oder gaffen will.

Auch bei Anfragen an Behörden geht`s mit dem Presseausweis erfahrungsgemäß schneller, oft sogar nur mit dem Ausweis. Behörden sind nur zur Auskunft verpflichtet, wenn man sich als Journalist ausweisen kann.

Wer den Ausweis zu privaten Anlässen einsetzt, ist ihn unter Umständen recht schnell wieder los. Kein Problem hat der DJV mit Bloggern, die über Produkte schreiben und kostenlos bemustert werden wollen. Manche Unternehmen haben es immer noch ganz gern, wenn man sich ganz klassisch ausweisen kann, bevor man eingeladen oder in den Verteiler aufgenommen wird.

Es ist und bleibt aber ein offizielles Dokument.

Und das bedeutet, dass nicht jeder einen Presseausweis bekommt. Man muss die Kriterien erfüllen, auch wenn die eine Frage der Interpretation sind. Der DJV und die Fachverbände prüfen, ob Blogger überwiegend journalistisch arbeiten. Da geht es um allgemeinen Aufwand, Regelmäßigkeit, Qualität und andere Faktoren. Die Höhe des Verdienstes oder die Stunden am Rechner sind nicht allein entscheidend.

Hobby-Blogger, die ab und zu mal zwei Absätze ins Netz tippen, werden also mit Sicherheit keine Chance haben. Man muss sich die Aufnahmekriterien genau durchlesen.

Alle anderen senden im Zweifelsfall besser zu viele Nachweise an den DJV (Artikel, Blog-Impressum, Medienberichte über sich und das Blog etc.) als zu wenige. Wird der Antrag abgelehnt, wird eine üppige Bearbeitungsgebühr einbehalten. Der Presseausweis kostet für Nichtmitglieder 69 Euro im Jahr und wird beim jeweiligen DJV-Landesverband beantragt.

Hintergrundbild © Unsplash / pixabay.de

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Danke, RT Deutsch!http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/danke-rt-deutsch/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/danke-rt-deutsch/#comments Thu, 20 Nov 2014 16:30:54 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5677 Man kommt ja auf die unsinnigsten Ideen, wenn man frei hat. Deckenlampen entstauben und so. Oder russische Propaganda anschauen. Hab ich getan. Ich hab mir „RT Deutsch“ angeschaut. Weil der Sender ja heftige Schnappatmung ausgelöst hat. Also musste das ja irgendwie beeindruckend sein.

Ich muss sagen: Ja. Aber. Mir ist zunächst fast der Kaffeebecher aus der Hand gefallen, weil es zu einer trolligen Verwechslung gekommen ist. Ich gehe hin und wieder ins Sonnenstudio. Und da arbeitet diese… kenne ihren Namen nicht. Chemische Haarfarbe, Augenbrauen aus der 90er-Hölle, man kennt diese Art von Frauen. Und die arbeitet jetzt bei „RT Deutsch“! Dachte ich zumindest. War sie aber nicht, sondern eine meiner Sonnenstudio-Angestellten zum Verwechseln ähnlichen Lea Frings. Sie hat eine schier atemberaubende Karriere hingelegt, ich habe das gegoogelt, von der Bühne direkt ins Fernsehen.

Also von der Bühne einer Montagsdemonstration, wo ja jeder mal was sagen darf, wenn er schnell genug ans Plastikmikro kommt. Oder wie Xavier Naidoo spricht. Aber immerhin. Schon damals, im Juni auf der Bühne in Leipzig, gab Frau Frings ihre Ansichten zur Ukraine-Krise zum Besten. Sie darf jetzt als Reporterin bei „RT Deutsch“ Fragen fragen. Ich mag das. Ich liebe Montagsdemos und Verschwörungstheoretiker, da hat das Hirn verlängertes Wochenende. Nur: Die Qualität der Videos dieser Veranstaltungen ist doch eher mäßig. „RT Deutsch“ ist da purer Sex für Augen und Ohren. Und Frau Frings ist immer noch besser als die Katzenberger. Talente muss man fördern.

Danke an „RT Deutsch“ auch für das, was immer so unter den Tisch fällt, wenn man grad mal nicht so aufpasst: Die Wahrheit. Geht ja verdammt schnell in dieser irren Zeit. Dass da in Kiew tatsächlich Faschisten am Werk sind – wir hatten sowas schon geahnt, endlich ist es bestätigt. Dass die Nato gen Osten ziehen will. Mit dem gesamten Waffenarsenal. Mensch, die Nato. Und hinter allem stecken die Amerikaner. Die Welt ist so doof kompliziert, außer man schaut „RT Deutsch“, da wird`s einem erklärt. Bäm, so geht Journalismus, du Pisaopfer! Und nicht nur mit Panzer-Dokus wie bei N24.

Gut, Kreml-TV hat natürlich ein kleines Glaubwürdigkeitsproblem. RT macht das, was der Sender den etablierten Medien zum Vorwurf macht: Er – sagen wir – biegt die Wahrheit in eine bestimmte Richtung. Das ist fast so, könnte man sagen, als würde man seinen Nachbarn wegen Kindesmisshandlung anzeigen und nach der Aussage bei der Polizei zuhause seine eigenen Kinder schlagen. Aber hey: Das ist Notwehr gegenüber den Mainstream-Medien. So ein bisschen in die richtige Richtung stoßen. Und wenn man über das berichtet, was die anderen weglassen, muss das dann ja auch nicht zwangsläufig „die Wahrheit“ sein. Gibt es sowieso nicht. Subjektive Wahrheit ist auch OK. Oder irgendetwas anderes, Hauptsache anders.

Und so finden sich bei „RT Deutsch“ dann auch Dinge, die endlich mal Putins Sicht unverzerrt darstellen. Der Mann ist chronisch missverstanden. Fast so wie Bernd Lucke. Es ist so etwas wie das Intranet-TV des Kreml, das für die breite Masse der Jungen und Unaufgeklärten in Deutschland geöffnet wurde. Die Bundeskanzlerin hat ja auch ihren eigenen Video-Podcast. Zwar mit etwas weniger Verschwörung, Antiamerikanismus und Antisemitismus, aber genauso eigensinnig. Das ist Medienvielfalt.

Und noch was. Gerade wir Deutsche können stolz darauf sein, dass wir „RT Deutsch“ in Deutschland freudig dulden, bald vielleicht sogar auch in der Glotze. Mehr Meinungsvielfalt haben Zehntausende in einer Petition pro „RT Deutsch“ ja auch gefordert. Und bekommen: Bei RT geht`s um Meinung, weniger um dröge Fakten. Man stelle sich das mal in Russland vor: Von der deutschen Regierung im Geheimen finanzierte Medien. Da gehst du als Journalist aber ganz schnell hinter Stacheldraht. Unsere Demokratie funktioniert. Das zeigt „RT Deutsch“.

Hat „RT Deutsch“ eigentlich eine Koch-Show?

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Was ist denn Internet? Ungefähr?http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/was-ist-denn-internet-ungefaehr/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/was-ist-denn-internet-ungefaehr/#respond Wed, 19 Nov 2014 19:04:10 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5665 Hach, damals. Die 90er. Die Frisuren waren sagenhaft. Mittelscheitel, Topfschnitt. Wir haben schlabbrige Pullover getragen. Und die Farben erst. Wir haben herrlich absurde Musik gehört („Piep Piep kleiner Satellit“). Und plötzlich war da dieses Internet. Und man wurde „Einwahlkunde“.

1996. Das ZDF klärt auf.

Das World Wide Web. Diese bunten Bilder, die man da sehen konnte. Ich hab damals für die BILD geschrieben. Recherchieren im Internet – das erledigten noch die IT-Kollegen. Und die wirklich ersten „Early Adopter“ trieben sich in der Stuttgarter Stadtbibliothek rum.

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1996 waren etwa 100.000 Websites online. Man war also schnell am Ende des interessanten und verständlichen Teils des WWW. Den Unternehmen waren es zu wenige Nutzer, und den Nutzern zu wenige Seiten. Und Google gab`s auch noch nicht.

Internet und E-Mail. Da war man noch Exot. Und man musste Zeit mitbringen. 30 Sekunden, bis die Seite aufgebaut war. Man musste sich die Inhalte im Web mit Lycos und Netscape noch richtig hart erarbeiten.

Hintergrundbild © Gerd Altmann / pixabay.com

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