Dennis Sulzmann http://www.dennis-sulzmann.de Journalist. Autor. Blog. Fri, 21 Nov 2014 19:47:31 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.0.1 Danke, RT Deutsch!http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/danke-rt-deutsch/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/danke-rt-deutsch/#comments Thu, 20 Nov 2014 16:30:54 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5677 Man kommt ja auf die unsinnigsten Ideen, wenn man frei hat. Deckenlampen entstauben und so. Oder russische Propaganda anschauen. Hab ich getan. Ich hab mir „RT Deutsch“ angeschaut. Weil der Sender ja heftige Schnappatmung ausgelöst hat. Also musste das ja irgendwie beeindruckend sein.

Ich muss sagen: Ja. Aber. Mir ist zunächst fast der Kaffeebecher aus der Hand gefallen, weil es zu einer trolligen Verwechslung gekommen ist. Ich gehe hin und wieder ins Sonnenstudio. Und da arbeitet diese… kenne ihren Namen nicht. Chemische Haarfarbe, Augenbrauen aus der 90er-Hölle, man kennt diese Art von Frauen. Und die arbeitet jetzt bei „RT Deutsch“! Dachte ich zumindest. War sie aber nicht, sondern eine meiner Sonnenstudio-Angestellten zum Verwechseln ähnlichen Lea Frings. Sie hat eine schier atemberaubende Karriere hingelegt, ich habe das gegoogelt, von der Bühne direkt ins Fernsehen.

Also von der Bühne einer Montagsdemonstration, wo ja jeder mal was sagen darf, wenn er schnell genug ans Plastikmikro kommt. Oder wie Xavier Naidoo spricht. Aber immerhin. Schon damals, im Juni auf der Bühne in Leipzig, gab Frau Frings ihre Ansichten zur Ukraine-Krise zum Besten. Sie darf jetzt als Reporterin bei „RT Deutsch“ Fragen fragen. Ich mag das. Ich liebe Montagsdemos und Verschwörungstheoretiker, da hat das Hirn verlängertes Wochenende. Nur: Die Qualität der Videos dieser Veranstaltungen ist doch eher mäßig. „RT Deutsch“ ist da purer Sex für Augen und Ohren. Und Frau Frings ist immer noch besser als die Katzenberger. Talente muss man fördern.

Danke an „RT Deutsch“ auch für das, was immer so unter den Tisch fällt, wenn man grad mal nicht so aufpasst: Die Wahrheit. Geht ja verdammt schnell in dieser irren Zeit. Dass da in Kiew tatsächlich Faschisten am Werk sind – wir hatten sowas schon geahnt, endlich ist es bestätigt. Dass die Nato gen Osten ziehen will. Mit dem gesamten Waffenarsenal. Mensch, die Nato. Und hinter allem stecken die Amerikaner. Die Welt ist so doof kompliziert, außer man schaut „RT Deutsch“, da wird`s einem erklärt. Bäm, so geht Journalismus, du Pisaopfer! Und nicht nur mit Panzer-Dokus wie bei N24.

Gut, Kreml-TV hat natürlich ein kleines Glaubwürdigkeitsproblem. RT macht das, was der Sender den etablierten Medien zum Vorwurf macht: Er – sagen wir – biegt die Wahrheit in eine bestimmte Richtung. Das ist fast so, könnte man sagen, als würde man seinen Nachbarn wegen Kindesmisshandlung anzeigen und nach der Aussage bei der Polizei zuhause seine eigenen Kinder schlagen. Aber hey: Das ist Notwehr gegenüber den Mainstream-Medien. So ein bisschen in die richtige Richtung stoßen. Und wenn man über das berichtet, was die anderen weglassen, muss das dann ja auch nicht zwangsläufig „die Wahrheit“ sein. Gibt es sowieso nicht. Subjektive Wahrheit ist auch OK. Oder irgendetwas anderes, Hauptsache anders.

Und so finden sich bei „RT Deutsch“ dann auch Dinge, die endlich mal Putins Sicht unverzerrt darstellen. Der Mann ist chronisch missverstanden. Fast so wie Bernd Lucke. Es ist so etwas wie das Intranet-TV des Kreml, das für die breite Masse der Jungen und Unaufgeklärten in Deutschland geöffnet wurde. Die Bundeskanzlerin hat ja auch ihren eigenen Video-Podcast. Zwar mit etwas weniger Verschwörung, Antiamerikanismus und Antisemitismus, aber genauso eigensinnig. Das ist Medienvielfalt.

Und noch was. Gerade wir Deutsche können stolz darauf sein, dass wir „RT Deutsch“ in Deutschland freudig dulden, bald vielleicht sogar auch in der Glotze. Mehr Meinungsvielfalt haben Zehntausende in einer Petition pro „RT Deutsch“ ja auch gefordert. Und bekommen: Bei RT geht`s um Meinung, weniger um dröge Fakten. Man stelle sich das mal in Russland vor: Von der deutschen Regierung im Geheimen finanzierte Medien. Da gehst du als Journalist aber ganz schnell hinter Stacheldraht. Unsere Demokratie funktioniert. Das zeigt „RT Deutsch“.

Hat „RT Deutsch“ eigentlich eine Koch-Show?

]]>
http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/danke-rt-deutsch/feed/ 5
Was ist denn Internet? Ungefähr?http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/was-ist-denn-internet-ungefaehr/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/was-ist-denn-internet-ungefaehr/#respond Wed, 19 Nov 2014 19:04:10 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5665 Hach, damals. Die 90er. Die Frisuren waren sagenhaft. Mittelscheitel, Topfschnitt. Wir haben schlabbrige Pullover getragen. Und die Farben erst. Wir haben herrlich absurde Musik gehört („Piep Piep kleiner Satellit“). Und plötzlich war da dieses Internet. Und man wurde „Einwahlkunde“.

1996. Das ZDF klärt auf.

Das World Wide Web. Diese bunten Bilder, die man da sehen konnte. Ich hab damals für die BILD geschrieben. Recherchieren im Internet – das erledigten noch die IT-Kollegen. Und die wirklich ersten „Early Adopter“ trieben sich in der Stuttgarter Stadtbibliothek rum.

bildshot

1996 waren etwa 100.000 Websites online. Man war also schnell am Ende des interessanten und verständlichen Teils des WWW. Den Unternehmen waren es zu wenige Nutzer, und den Nutzern zu wenige Seiten. Und Google gab`s auch noch nicht.

Internet und E-Mail. Da war man noch Exot. Und man musste Zeit mitbringen. 30 Sekunden, bis die Seite aufgebaut war. Man musste sich die Inhalte im Web mit Lycos und Netscape noch richtig hart erarbeiten.

Hintergrundbild © Gerd Altmann / pixabay.com

]]>
http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/was-ist-denn-internet-ungefaehr/feed/ 0
Geschichten erzählen mit Storehousehttp://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/storytelling-storehouse/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/storytelling-storehouse/#respond Mon, 17 Nov 2014 20:40:14 +0000 http://www.dennis-sulzmann.de/?p=5625 Storytelling ist schwer en vogue. Man bloggt nicht mehr nur über eine Sache. Man strickt eine spannende Geschichte drumherum. Und was gehört dazu? Bilder natürlich. Geschichten leben von Bildern, sie machen die Story lebendiger und authentischer. Nur Text ist oft dröge. Und wenn dann noch das passende Video zur Geschichte geliefert wird: Perfekt. Und genau da kommt Storehouse ins Spiel.

Storehouse ist eine kostenlose App für iPhones und iPads. Das Ding hat sogar den Apple Design Award gewonnen, aber das nur nebenbei. Was kann die App? Mit ihr verbackt man Bilder, Videos und Texte zu einer Geschichte. Scrollytelling nennen das die Multimedia-Koryphäen. Und mit dieser App braucht man nicht mal Journalist oder Designer sein. Man braucht nur interessantes Material.

Mit Storehouse kann zwar jeder Storys in einer schicken Verpackung erzählen, wenn er denn etwas zu erzählen hat. Die App ist aber vor allem auch für Lokal- und Fachjournalisten attraktiv, die sich weniger um Content Management Systeme kümmern wollen, sondern ihre Storys schnell, bequem und von unterwegs aufbereiten wollen. Man produziert einfach am iPhone/iPad. Man hat ja schließlich alles dabei, was man dazu braucht. WordPress-Nutzer können die Storys in Beiträge einbinden, um reinen Text multimedial aufzumotzen.

Storehouse erfordert eine Anmeldung. Dann geht`s aber reibungslos (wir nennen es intuitiv). Man lädt Bilder und Videos aus der Mediathek, aus Instagram, Dropbox oder Flickr hoch, verschiebt das ganze Zeugs und ändert das Format durch „Drag and Drop“, fügt Texte ein und setzt Links. Mehr ist das nicht. Wirklich nicht. Natürlich kann man andere Nutzer-Streams abonnieren. Ist schließlich ein soziales Netzwerk.

Hintergrundbild © Storehouse Media Inc.

]]>
http://www.dennis-sulzmann.de/2014/11/storytelling-storehouse/feed/ 0
Ice Bucket Challenge. Nervt, aber gut.http://www.dennis-sulzmann.de/2014/08/ice-bucket-challenge/ http://www.dennis-sulzmann.de/2014/08/ice-bucket-challenge/#respond Tue, 26 Aug 2014 06:00:45 +0000 http://heutigentags.de/?p=5516 icebucket

Klar kann man diesen ganzen Ice-Bucket-Hype nervig finden. Die meisten Videos sind auch wenig originell. Und natürlich ist dieses Phänomen auch nicht die deutsche Art, sich einem so ernsten Thema wie dem der seltenen Erkrankungen zu nähern. Wir würden so etwas eher mit erhobenem Zeigefinger, in die Kamera leidenden Betroffenen und moralinsauren Appellen umsetzen.

Trotzdem schütten sich die Leute reihenweise Eiswasser über den Kopf, und das dürfte auch noch eine Weile so weitergehen. Ich gebe zu: Ich fand das zwischenzeitlich auch ziemlich dröge. Aber trotzdem muss ich das jetzt mal verteidigen – nicht, weil ich selbst nominiert wurde, sondern: Die Kritiker blenden eine Sache völlig aus. Die Aktion funktioniert. Sie schafft Öffentlichkeit. Volltreffer.

Stellen wir uns mal vor, die Ice Bucket Challenge hätte es nicht gegeben. Wie oft hätten die Medien über seltene Erkrankungen berichtet? Gar nicht. Es gibt zu wenige Betroffene, es ist ein unangenehmes Thema, es gibt keinen aktuellen Aufhänger. Journalismus bedeutet auch, bewusst über Dinge nicht zu berichten. Das ist der Filter. Nachrichtenwerte haben keine soziale Ader.

Ich habe vor einigen Jahren selbst die Erfahrung gemacht, was für ein undankbares Thema seltene Erkrankungen sind. Ich habe PR für eine Unterorganisation der „Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen“ gemacht. Und was kam dabei raus? Über den Aktionstag wurde im Regionalteil einer Zeitung berichtet. Und im Kundenmagazin eines Einkaufszentrums stand was. Trotz prominentem Schirmherr.

An manchen Themen beißt man sich die Zähne aus, weil ihnen aktuell einfach die Relevanz fehlt. Und dann kam die Ice Bucket Challenge. Eine Idee, die ein absolutes Randthema in den Mittelpunkt stellt, positiv auflädt und zu einem globalen, schnell zu reproduzierenden Hype macht. So nervig man das mittlerweile auch finden mag: Die Challenge gehört zu den genialsten PR-Aktionen der vergangenen Jahre.

Man redet darüber. 241 Millionen Einträge bei Google. Ziel erreicht. Und: Auch wenn in vielen Ice-Bucket-Videos die reine Selbstdarstellung im Mittelpunkt steht und nicht immer auf die Hintergründe verlinkt wird: Es kommt Geld rein für die Sache. Wer könnte etwas dagegen haben – außer de üblichen pseudointellektuellen Feuilletonisten, die das natürlich wieder sozialkritisch durchanalysieren müssen?

Bild © PublicDomainPictures / pixabay.de

]]>
http://www.dennis-sulzmann.de/2014/08/ice-bucket-challenge/feed/ 0